Erkenntnisse aus dem LEVEL UP Talks Interview mit dem zweifachen Weltmeister im Thaiboxen Lars Grundkowska

von Dr. Ralf Friedrich

Wer Inhalte zum Dresdner Lars Grundkowska recherchiert, wird online schnell fündig: Jahrgang ’78, Unternehmer, Auto-Freund, Trainer im Thaiboxen und: zweifacher Weltmeister in eben gleicher Sportart. Eventuell erfährt man auch, dass er ein echt netter Typ ist, doch das ist nur ein Teil seiner Persönlichkeit und wahrscheinlich (…mit Sicherheit…) subjektiv. 

Weit weniger vom persönlichen Befinden eines jeden abhängig ist die Bewertung seiner Leistungen. Weltmeister, worin auch immer, wird niemand, der von einem Ort zum nächsten taumelt. Stattdessen bedarf es, besonders innerhalb einer Sportart, langfristiger Vorbereitung auf verschiedenen Ebenen sowie einiger Grundvoraussetzungen, die wir nachfolgend betrachten. 

Im Interview (11.02.2020) mit „LEVEL UP – Du hast Potenzial“ – Gründer Richard Hohme verrät Lars, welcher Voraussetzung es bedarf, Weltmeister zu werden. Die Antwort fällt überraschend kurz aus: „Unbändiger Wille.“ Doch ist es damit getan? Mitnichten. Stattdessen erzählt der 41-jährige von seinem Weg, den er beschritt, um Herausragendes zu leisten. Aus seinen Antworten ergeben sich verschiedene Schlussfolgerungen, die in den „Lars Grundkowska“-Skalen münden.

Der Unterschied zwischen Zufriedenheit und Glück

Glück ist ein Moment. Zufriedenheit ein Zustand. 
Jeder darf sich entscheiden, wonach er strebt. 

Lars’ Prinzip ist einfach: 

„Wenn ich etwas erreichen will, setze ich alles daran, ans Ziel zu kommen. Hierfür musst du    allerdings bereit sein, einen gewissen Preis zu zahlen. (…) Wenn du arbeiten gehst und    drei Mal täglich trainierst, bleibt wenig Zeit für Parties, ‚Vergnügung‘ oder ein Hobby. (…) 
Aber der Moment, in dem du den Erfolg verspürst, macht ihn umso wertvoller und dich durchströmt ein unnachgiebiges Glücksgefühl.“

Die sich ergebende Ableitung lautet demnach: Je mehr du investierst, um deinem Ziel näher zu kommen, umso intensiver wird der Glücksmoment. Dessen Auswirkungen sind nicht unerheblich: Ein Weltmeistertitel wird zwar neu vergeben, doch wer ihn erstreitet, bleibt sein Leben lang „Weltmeister“. Ähnlich ist es mit anderen Ehrungen oder (Projekt-)Abschlüssen: Akademische Grade, die Veröffentlichung eines Buches, die Restauration eines Autos — alles besondere Ergebnisse, denen intensive Arbeitsphasen vorangehen. 
Doch was, wenn der Glücksmoment weicht? Was passiert, sobald das „große Ziel“ erreicht und der Rekord aufgestellt worden ist? Lars: „Ich finde immer etwas Neues. Viele fallen nach solch einem Moment in ein Loch, weil es nichts mehr gibt. (…) Da muss man schon aufpassen, denn das Glück ist nur ein Moment und der ist eben vergänglich.“

Der Preis des Erfolgs

Lars Grundkowskas Einstellung zum Thema Erfolg ist eindeutig: „Mach es richtig oder lass es bleiben!“ Doch verweist er auch darauf, dass der Weg zum Besonderen mit Kosten verbunden ist. Zeit für Familie und Soziales sind in den Hochphasen nur durch klare Planung aufzubringen. Auch beruflich hat er sich seinem Unternehmen erst mit voller Hingabe verschreiben können, nachdem die Frage nach einem weiteren Weltmeistertitel (als aktiver Kämpfer) nicht mehr im Raum stand. 

„Die Zeit für Genuss ist da, wenn du hierfür anderes opferst. Weniger an einem Ziel zu arbeiten, öffnet natürlich Zeitfenster (…) für Familie, Freunde usw.“ — Das heißt, jedoch nicht, dass weniger Engagement erfolglos bleibt. Stattdessen verschieben sich die Prioritäten. Etwas Großartiges zu leisten, bedarf nicht 100% deiner Zeit; etwas Einmaliges zu schaffen hingegen schon. 

Diese Erkenntnis lässt sich weiterverfolgen: 

Je mehr Zeit man in Genuss investiert, umso geringer wird der Druck, der durch Arbeitsphasen entsteht. Doch damit verbunden sinken auch die Möglichkeiten, überragende Leistungen zu erzielen.  

Grafisch lässt sich das folgend darstellen:

Die Skalen 1 – 5 beschreiben das Investment (Arbeit) im Verhältnis zum Genuss. Wir gehen davon aus, dass 100% Zeit, die einem Menschen zur Verfügung stehen, in diese zwei Bereiche gegliedert werden können. Aspekte wie Familie, Freunde, Freiraum, Hobby usw. gleiten in den Genussfaktor. Gesundheit bleibt hierbei unbeachtet, da eine bewusste, gesunde Lebensweise genussvoll sein kann (und darf), allerdings unabdingbar ist, um nachhaltig Ressourcen aufbringen zu können. Daher kann „Gesundheit“ in den Faktor „Arbeit“ inkludiert oder aus der Betrachtung ausgeschlossen werden. 

Punkt 1: Höchste Glücksmomente erfordern ein hohes Investment an Ressourcen wie Zeit, Geld, Nerven. Das Ergebnis sind extreme Momente sowie nachhaltig herausragende Ergebnisse.

Punkt 2: Weniger Investment, dafür gesteigerte Anteile von Genussphasen lassen immer noch sehr gute Ergebnisse zu. Gleichsam tendiert Option 2 bereits in Richtung des Pareto-Prinzips (80/20-Reglung), das zugleich darauf verweist: Das Ergebnis muss nicht perfekt sein, um den Ansprüchen vieler zu genügen. Hierzu sagt Grundkowska: „Willst du Weltmeister werden, reicht ‚gut‘ nicht aus. Die anderen Sportler bereiten sich ebenfalls über Jahre intensiv auf Wettkämpfe vor. Sie trainieren, lernen, meditieren, arbeiten an ihrer Taktik usw. Ohne den Willen zur Perfektion kannst du also nicht gewinnen.“

Punkt 3: Der Ausgleich aus Arbeit und Genuss ermöglicht im Schnitt durchschnittliche bis (je nach Vergleichsgruppe) überdurchschnittliche Ergebnisse. Das ist die Ebene, auf der „Work-Life-Balance“ stattfindet. Sie verdeutlich, dass die Trennung von Arbeit und Leben (oder Arbeit und Genuss) dauerhaft keine großen Erfolge erwarten lässt. — Erstens wird man kaum bereit sein, seine Genussphasen für die davon entkoppelte „Arbeit“ zu opfern. Zweitens widerspricht es einem Grundsatz Grundkowskas: „Was man tut, sollte einem Freude bereiten. Dann hat man immer ein ‚Warum‘, das einen vorantreibt.“

Punkt 4: Genuss vor Arbeit. Glücksmomente werden geringer, dafür nimmt der dauerhafte Zufriedenheitsfaktor zu. 

Punkt 5: Ruhe, Entspannung und Zufriedenheit stehen im Vordergrund. Das ist der Kontrapunkt zu 1. Hierbei geht es vor allem darum, Zeit zu gewinnen. Wichtig zu verstehen ist: Diese Lebensweise ermöglicht einen hohen Zufriedenheitswert, da Investments an Ressourcen kaum mehr stattfinden, so allerdings auch nichts mehr geschaffen wird. 

Bist du bereit, den Preis zu zahlen?

Keine Skala ist gut oder schlecht. Keine Lebensweise ist bewertbar. Stattdessen geht mit jeder Ebene eine Frage einher: Bist du bereit, den Preis für diese Lebensweise zu bezahlen? Der Aufbau eines Unternehmens kostet Zeit; Zeit, die du auch in deinen Fußballverein, in Parties mit Freunden oder in die Gründung einer Familie investieren kannst. Doch dann fließt diese Ressource aus dem Feld „Unternehmen“ ab. 

Möchtest du finanziell frei sein, wirst du hierfür ebenfalls investieren müssen. Sparen bedeutet, je nach Einkommen, auf gewisse materielle Güter verzichten zu müssen. Auch Verzicht ist ein Investment. 

Heißt das, dass man niemals „einfach nur zufrieden sein“ kann? — „Nein“, sagt Lars. „Man sollte irgendwann lernen, mit seinen Möglichkeiten richtig umzugehen. Es geht darum, sich klarzuwerden, was man will und dann auch ehrlich zu sich selbst zu sein. Wer immer genießen möchte, soll das tun, muss aber verstehen, dass man derart nicht Weltmeister wird. Wer hingegen auf einen Titel zusteuert, muss auf gewisse Freiheiten verzichten. Das ist eben so.“

Der wichtigste Lerneffekt besteht also darin, dass jeder Mensch ehrlich zu sich selbst sein sollte. „Bin ich bereit, den Preis meines Lebens zu bezahlen?“, ist eine bittere, aber wichtige Frage, deren Beantwortung Ruhe schenkt.

Danke, Lars, für diesen Einblick. Danke, für die Inspiration. Danke, für deine Offenheit. Das gesamte Interview hört ihr im LEVEL UP Talks – Podcast (auf Spotify, iTunes und YouTube).

Philosophische Gedanken zum Schluss

Jeder von uns kennt Phasen, in denen er*sie schlicht „Gas geben“ sollte (oder muss). Vor Prüfungen solltest du lernen; wenn du mehr Geld verdienen willst, wirst du dafür etwas tun müssen. Möchtest du eine*n Partner*in kennenlernen, wirst du dafür a) rausgehen und b) wahrscheinlich mehr als eine Person treffen müssen. Alles ist mit Investments und Aufwendungen verbunden. 

Spannend ist hierbei, dass die Beantwortung der Frage, „Was will ich eigentlich?“, nicht nur Ruhe schenken, sondern beispielsweise auch von Neid befreien kann. Ein Beispiel: Du siehst jemanden, der eine teure Uhr trägt. Du erkennst die Krone auf dem Zifferblatt und weißt: Es ist eine Rolex, die wahrscheinlich irgendwas um die 9000€ kostet.

Neid bedeutet, sich die Frage nach dem „Was will ich?“ nicht zu stellen. 

Du könntest deinem Gegenüber jetzt Fragen stellen wie: „Was machst du beruflich, um dir sowas leisten zu können?“, und er antwortet: „Ich bin von Beruf ‚Sohn‘ und die Uhr hab ich zum Geburtstag bekommen. Mein Dad ist reicher als Gott!“ … Und nun? Möchtest du dich ärgern, dass jemand so viel Glück im Leben hatte, in eine reiche Familie geboren worden zu sein? 

Besser ist es, sich zu fragen: „Will ich das auch und was bin ich bereit hierfür zu tun?“ Ist es für dich in Ordnung, mehr zu arbeiten, um dir die 9000€ zu ersparen? Möchtest du dieses Geld anschließend für diese Uhr aufwenden? — Sofern ja: Vollgas! Dann weißt du aber auch, was du willst und hast ein Ziel. Sofern nein, darf es dir der gesamte Umstand egal sein. 

Neid bedeutet, zu wenig bei sich selbst zu sein. Neid hemmt. Vergleiche hemmen, sofern sie nicht in der Frage münden: „Was bin ich bereit zu tun?“ Ich glaube, die Antwort auf diese Frage beruhigt das Leben in Gänze. Natürlich kann ich mir einreden: „Der Lars ist Weltmeister geworden, weil er talentiert ist und die notwendige Unterstützung hatte. Da gehörte doch massiv Glück dazu.“ Ich kann mir aber auch sagen: „Der Mann hat unfassbar hart für seinen Erfolg gearbeitet und ist dadurch Menschen begegnet, die ihn unterstützen. Bin ich bereit, einen ähnlichen Weg zu gehen und all das zu investieren, was Lars bereit war zu geben?“ … 

Welche Entscheidung triffst du? … Meine ist einfach: Ich trinke jetzt Kaffee. Den habe ich hart erkämpft. Im Supermarkt. … Und er wird mir einen wundervollen Glücksmoment schenken. 

1 Kommentar. Hinterlasse eine Antwort

  • Amen und wie immer genial geschrieben und wundervoll zusammen gefasst!!!
    Was ist mein WARUM und WAS will ICH? Das sind die richtigen Fragen für beides: Glück und Zufriedenheit. Danke Ralf.

    Antworten

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